Folge 145: FC Bayern 1991/92 – die schlechteste Saison ever (Gast: Karlheinz Wild)

In einem Land vor unserer Zeit gab es Abstiegssorgen an der Säbener Straße! Heutige Vereinslegenden wie Jupp Heynckes, Stefan Effenberg, Karl-Heinz Rummenigge oder Franz Beckenbauer hätten es tatsächlich fast verkackt. Die “Super-Bayern” hatten Krise, aber so richtig. Zweitrunden-Aus im Pokal und Uefa Cup gegen Endgegner wie FC 08 Homburg und Boldklubben 1903. Drei verschiedene Trainer, von denen der letzte auch noch der spätere “Chief of Rumpelfußballer” Erich Ribbeck sein sollte. Mit den abgewanderten Weltmeistern Augenthaler, Kohler und Reuter verschwand auch die Hierarchie. Eine Mannschaft wie ein Charity-Kick: Kreuzer, Ziege, Labbadia, zwischenzeitlich stand übrigens auch noch Toni Schumacher im Bayern-Tor. Am Ende wurde es Platz 10, fünf Punkte vor den Abstiegsrängen. Nachholspiel bekommt vor Schnappatmung W-Fragen-Schluckauf: wer, was, warum…?!? Kicker-Koryphäe Karlheinz „Carlo“ Wild hat die Antworten und Anekdoten, „die wo nur“ der FC Bayern schreibt. Eine Saison, ein Verhalten, spannend und lustig wie unsere liebsten Kinderbücher. Uli und die Detektive, Bernado und die Vorstadtkrokodile und natürlich Erich und die Steilpässe von Belgrad.

Folge 144: Team 2006 – Eine Frage der Ehre…und Selbstreflexion (Gast: Simon Cziommer)

Wir haben schon so viel über die Entwicklung des deutschen Fußballs in den frühen 2000er Jahren gesprochen und dabei doch glatt die wahren Helden aus der dritten Reihe vergessen: Das unbekannte DFB-Kapitel zwischen Rumpelfußballern, Sommermärchen und Maracana. Die Sternchen des damals dreimaligen Weltmeisters, die Avengers light – Namen wie Frank Fahrenhorst, Ingo Hertzsch oder eben Simon Cziommer. Der war mal bei Schalke, hierzulande kennt ihn aber eigentlich keiner. In den Niederlanden ist er dagegen ein Star. Eredivisie durchgespielt, in Österreich Meisterschaften mit RB Salzburg gefeiert und die Europa League mit zwei Vereinen mitgenommen. Heute ist er Spielerberater und gefragter TV-Experte. Das Team 2006 hat seiner Karriere nicht geschadet, in den WM-Kader hat es ihn aber auch nicht katapultiert. Zwischen 2002 und 2005 wurden 73 Spieler eingesetzt, 25 von ihnen schafften immerhin ein Spiel für die A-Nationalmannschaft. Hatte das Projekt Konzept oder nur Kultcharakter? Die meisten der vermeintlichen Hoffnungsträger sind in den Fußball-Niederungen versunken. Selten hatten wir so einen selbstreflektierten Gast, der Nachholspiel nicht nur erstmals zum Schweigen sondern auch sehr oft zum Lachen gebracht hat.

Folge 143: Old Firm – League of Legends

Es soll das brisanteste Derby der Welt sein, blutig war es in seiner Historie in jedem Fall. Celtic gegen die Rangers ist Glasgows pulsierende Lebensader, der schottisch hochprozentige Exportschlager, der mit über 400 Duellen wie ein gut gereifter Whisky daherkommt. Old Firm ist eine politisch, religiös und sozialgesellschaftlich aufgeladene Schlacht, wie sie William Wallace geliebt hätte. Nur das mit seinem luftigen Schottenrock hätte nicht gepasst. Während die Celtic-Fans größtenteils Katholiken sind und dem irischen Republikanismus anhängen, sind die Rangers eher protestantisch geprägt und politisch beim Union Jack. Die schottische Fahne sieht man in den rivalisierenden Blöcken eher weniger. Nachholspiel in Derbystimmung und mit dem großen Vergleich der Erzfeinde. Es wird episch und emotional. Fußball ist speziell in Glasgow Geschichte, deshalb reden wir diesmal besonders gerne darüber.

Folge 142: Thierry Henry – Le Fantastique

Der Name klingt so elegant wie sein Spielstil. Alles hat beim Rekordtorschützen des FC Arsenal so einfach ausgesehen. Sein Gang, sein Dribbling, das Tor und der anschließende Jubel vor den engen Tribünen in Highbury. Henry, die menschgewordene Kanonenkugel der „Gunners“, die den gegnerischen Strafraum mit Geschwindigkeit und Schusspräzision sprengte. Vergleiche mit anderen ergeben keinen Sinn. Zwei Meisterschaften und drei Pokalsiege bescherten ihm in London eine lebensgroße Statue, seinen Nachfolgern dagegen riesengroße Fußstapfen, in die bis heute keiner passen möchte. Henry und Arsenal sind eine Liebes- und Legendenbeziehung. Gewonnen hat er alles, mit Empathie, Witz und Intelligenz vor allem die Herzen aller Fußballfans. Nur in Irland würde man die „Hand of Frog“ wohl noch heute gerne im Teich versenken. Henry wurde mit Frankreich Welt- und Europameister, er holte die Champions League mit Barcelona und ließ nebenbei sogar Lionel Messi noch um wenige Zentimeter wachsen. Er war Trainer, er hat mit Mario Gin Tonic getrunken und doch denken wir immer wieder zurück an die strahlende Rückennummer 14 des FC Arsenal. Er kam am Ende seiner Karriere noch einmal zurück – und das ist streng genommen die beste Geschichte in dieser Folge.

Folge 141: Die legendäre Sky-Konferenz – ein Käfig voller Helden (Gast: Michael Leopold)

Vor 22 Jahren haben sich ein paar Herren mehrere Wochen in kleine Räume eingesperrt und immer wieder das gleiche Fußballspiel kommentiert. Aus dem sogenannten “Trainingslager” sollte später die preisgekrönte Bundesliga-Konferenz entstehen. Erst auf Premiere, heute bei Sky. Das Original diente seither zahlreichen Sport-Produktionen und –Übertragungen weltweit als Vorbild. Michael Leopold gehört zu den Kommentatoren-Pionieren, die den Live-Fußball im Fernsehen bahnbrechend verändert haben. Früher hat er „Tooooor“ geschrien, inzwischen muss er als Moderator der Sendung den Überblick behalten. Zur Abwechslung hat sich “Leo” auf ein Glas Wein ins muckelige Nachholspiel-Studio gesetzt und mit uns sehr launig über “Tore in Ismaning” und einschläfernden Nullnummern bei Rosenborg Trondheim gesprochen. Warum er nicht nur ein Gespür für Tore, sondern auch für Schnee hat und wie Thomas Wagner mit Blinddarmbruch kommentiert? Wir sagen ganz unbescheiden: #141 ist eine unserer besten.

Folge 140: Das aktuelle Sportstudio – drei unten, drei oben (Gast: Jochen Breyer)

Du kannst Weltmeister*in werden oder x-mal die Champions League gewinnen – sechs Treffer an der legendären Torwand sind bis heute unerreicht. In der zerstückelten Pay-TV-Welt des Fußballs hat das Sportstudio im ZDF noch einen exklusiven Wiedererkennungswert – auch wenn Mario Basler ihn einst fast zu Kleinholz geschossen hätte. Die Sendung hat Fernsehgeschichte geschrieben, weil sie wie das Leben ist: live und unvorhersehbar.
Beim Streit zwischen Christoph Daum und Uli Hoeneß hat irgendwann jedes Wohnzimmer mitgegrölt, der Affe und die Perücke sind ein zeitloser Lachkrampf und der schweigende Boxer vielleicht das Lehrstück der souveränen „Interviewführung“.
Große Momente moderiert von großen Namen: Harry Valérien, Dieter Kürten, Günther Jauch, Michael Steinbrecher. Dessen Nachfolger Jochen Breyer saß als Kind im Pyjama und mit Sandwiches jeden Samstag staunend vor dem Fernseher. Als 30-Jähriger stand er in der WG-Küche, als der Anruf kam, ob er die bekannteste deutsche Sportsendung moderieren möchte. Da musste er sich kurz setzen. Vom Kinderzimmer in die Königsklasse. Der Sandwichmaker begleitet ihn bildlich gesprochen bis heute, kann es für seine Interviewgäste im Gespräch doch teils sehr heiß und eng werden. Breyer geht dahin, wo es wehtut und verkörpert den investigativen, sportpolitischen und sozialkritischen Wert des aktuellen Sportstudios. Er hat auch schon einen folgenschweren Fehler gemacht, Stichwort Hopp. Aber auch das ist live, alles echt und Mensch ist eben immer noch Mensch – das Erfolgsrezept geht in die 60. Saison.
Freunde, wir sind endlich zurück aus der Sommerpause, mit Emails von Günther Jauch, einem frustrierten Stefan Raab und dem Rollentausch der Woche: Jochen Breyer im Nachholspiel-Kreuzverhör.

Folge 139: Andrés Escobar – Zur falschen Zeit am falschen Ort

Das Eigentor des kolumbianischen Verteidigers Andrés Escobar am 22. Juni im zweiten Vorrundenspiel der WM 94‘ gegen Gastgeber USA ist das verhängnisvollste der Fußballgeschichte. Kolumbien verpasst das Achtelfinale, zehn Tage später wird Escobar in seiner Heimatstadt Medellin auf dem Parkplatz eines Nachtclubs erschossen. Ein kausaler Zusammenhang ist nicht belegbar. In einem von Drogenkriminalität verseuchten Land, in dem der Fußball das gebeutelte Volk stolz und die Drogenbosse noch reicher machen sollte, ist der Verdacht allerdings naheliegend. Der große Pelé hatte die Nationalmannschaft zum WM-Geheimfavoriten ausgerufen. Die Erwartungshaltung aufgeblasen, der Fußball vollgepumpt mit Drogengeld. Escobar war mit seinen 27 Jahren Anführer und Hoffnungsträger einer goldenen Generation. Ein Team wie ein Panini-Legendentreffen: Carlos Valderrama, Adolfo Valencia, Faustino Asprilla. Escobar galt als Gentleman aus gutem Hause, der in seiner Spielweise an Franz Beckenbauer erinnerte und beim AC Mailand eine große Zukunft vor sich haben sollte. Am Morgen des 2. Juli 1994 wurde dieser Traum von 12 Schüssen zerstört.
Aus Nachholspiel wird Narcos. Wir sprechen vor der Sommerpause über ein sehr wichtiges Thema des Weltfußballs, das schockiert, bedrückt und am Ende viele Fragen offen lässt.

Folge 138: WM 2002 – Kahn und DER Fehler

Da saß er am Pfosten von Yokohama, ein Bild für die Götter. Der Titan gefallen. Oliver Kahn, doch nur ein Mensch. Den Schuss, den Traum vom 4. WM-Titel nicht festgehalten. Hätte es im Finale gegen Brasilien sonst wirklich gereicht? Zuvor noch als Deutschlands Rumpelfußballer belächelt, war die DFB-Auswahl in Südkorea und Japan irgendwas der Inbegriff der Turniermannschaft. Beim 8:0 zum Auftakt gegen Saudi-Arabien hieß es noch “letzter Mann ist Torwart”, dann wurde es durchschnittlich und irgendwann brauchte es hinten den Unüberwindbaren.
Irland, Kamerun, Paraguay, USA, Südkorea – Michael Ballack erzielte die entscheidenden Tore, Bernd Schneider schlug als „weißer Brasilianer“ mal Haken, mal Flanken und Miroslav Klose hüpfte durch die Luft. Am Ende war es aber „Kahn der Titan“ und diese eine Szene.
Nachholspiel setzt sich an den anderen Torpfosten und diskutiert über die erste WM-Endrunde in Asien. Warum eigentlich erstmals zwei Gastgeber? Warum sind so viele Favoriten gescheitert? 16 gelbe Karten in einem Spiel und keine für Jeremies, wie geht das? Und wieso hatte Final-Doppeltorschütze Ronaldo eigentlich diese hässliche Frisur? Die Antwort so unglaublich wie die 67. Minute in Yokohama, damals, vor 20 Jahren.

Folge 137: 50 Jahre Olympiastadion München – Der herzerwärmende Kühlschrank

Im Winter kommt der Schnee von allen Seiten, im Sommer verschmilzt Gottes grüne Wiese mit Bayerns blauem Himmel. Nicht nur ein Stadion, vielmehr ein identitätsstiftendes Wahrzeichen mitten in der Stadt. Das für die Sommerspiele 1972 entworfene Olympiastadion ist eine architektonische Sensation. Das charakteristische, transparente Zeltdach wirkt wie die Schaumkrone eines visionären Kunstwerks. Andere sagen, es ist der Olymp von Münchens legendären Fußballgöttern Beckenbauer, Müller und vielen immer noch hungrigen Löwen. Heute stehen Fußballstätten in Gewerbegebieten und sehen aus wie Möbelhäuser. Das Olympiastadion ist mit seinem umliegenden Park eine grüne Oase und eine Mischung aus Freizeitstätte und Freiluftmuseum. Dort, wo heute Rolling Stones und Coldplay Träume fliegen lassen, wurde so viel Fußball-Geschichte geschrieben: Weltmeister 1974, Rekordmeister FC Bayern, das Phantomtor, “Ricken, lupfen jetzt!…“. Eine Folge wie ein Design-Wettbewerb. Was hat sie inspiriert? Was will uns der Künstler damit sagen? Wir haben dem “Oly” einfach ein kleines Denkmal setzen wollen. Zumindest in der Spotify-Playlist spielt es jetzt für die Ewigkeit. Mario, Olli und Hans würden übrigens gerne mal einen Ball auf das Olympiadach bolzen. Würde er jemals wieder runterkommen?