Folge 158: WM 1990 (III) – das Finale (Gast: Uli Köhler)

Welches Bild hast du als frisch gebackener Weltmeister zuerst im Kopf? Trikot-Tausch bei der Dopingprobe! Da spielt Klaus Augenthaler alle sieben Spiele bis zum Triumph in Rom durch, um dann gleich beim ersten Glas Sekt in der Feier-Kabine von FIFA-Funktionären abgeführt zu werden. Wer hätte außer Franz Beckenbauer auch gedacht, dass der „dreibeinige Ackergaul” bis zum Ende durchhält – und dann durfte während des obligatorischen Tests kein Bier getrunken, geschweige denn geraucht werden. Von wegen: früher war alles besser. Andreas Brehme hatte wenige Minuten zuvor Argentiniens Elfmeterkiller Goycochea eiskalt einen eingeschenkt. Weltmeister! Zum dritten Mal! Weil Matthäus die falschen Schuhe an und der gestolperte Rudi Völler als wertvoller „Druck-Rausnehmer“ die richtigen Worte für Brehme gefunden hatte.
In Italien wurden Legenden und ein deutscher Diego geboren. Wie schalte ich 90 Minuten den genialen Maradona aus? Guido Buchwald drückt Dir heute noch seine Gebrauchsanweisung in die Hand. Reporter-Rekordweltmeister Uli Köhler hat von seiner ersten Weltmeisterschaft noch unglaublich viele Anekdoten präsent. Carlos Valderrama, Gary Lineker, Roger Milla, das Boot von Matthäus und seine über den Tag wechselnden Outfits. Jede Frage von uns wird passend wie ein Elfmeter verwandelt. Nachholspiel singt zum Abschluss des WM-Spezials „Bella Italia Trilogia“. Klaus Augenthaler sollte das Doping-Dilemma übrigens vier Stunden später auf der Mannschafts-Party wieder vergessen haben, um wiederum ein anderes Bild nie wieder zu verdrängen: der Kinderwagen seiner Tochter, Torwart-Trainer Sepp Maier und der kleine „Icke“ Häßler am nächsten Morgen. Wir beenden mit einem Lachkrampf unser geschichtsträchtiges Podcast-Jahr.

Folge 157: WM 1990 (II) – die K.o.-Phase (Gast: Dietrich Schulze-Marmeling)

In der Wüste Katars hatte Deutschland zu viel Sand im Getriebe, in Italien anno 1990 lief’s dagegen. Nachholspiel bestreitet die nächste Etappe zum dritten deutschen WM-Titel und sammelt weiter fleißig Kult-Bilder für das eigene Podcast-Panini-Album. Frank Rijkaard und Rudi Völlers Blick, als der etwas anderes als Schaumfestiger in der Lockenpracht hatte. Heribert Faßbender und das „Jaaaaa“ der Nation. Zitternde Three Lions gegen unzähmbare Löwen aus Kamerun. Der 38-jährige Roger Milla und die Fast-Romanze mit Schalke 04. Paul Gascoigne und die überraschende „Nicht-Kneipen-Schlägerei“ mit Andreas Brehme. Natürlich schauen wir auch auf Deutschlands Final-Gegner Argentinien und Maradonas Heimspiel gegen Gastgeber Italien. Anekdoten satt, zum Glück hielt das Schuhwerk von Lothar Matthäus bis zum Endspiel.
Wer sich für Fußball interessiert, dürfte irgendwann mal ein Buch von Dietrich Schulze-Marmeling in der Hand gehabt haben. Der Autor will unseren Sommer in Italien nicht madig machen, doch er übt Kritik an Italia ’90. Wenig Qualität, viel Kommerz und eine überraschend „undeutsche“ deutsche Mannschaft. Leute, der WM-Pokal ist schon zum Greifen nahe, vorher müssen wir aber noch eine nervenaufreibende K.o.-Phase überstehen.

Folge 156: WM 1990 (I) – Ein Sommer in Italien (Gast: Klaus Augenthaler)

Es war das Turnier der bunten Trikots und Vögel. Kolumbiens Power-Frisur Carlos Valderrama entpuppte sich gar als sterbender Schwan. Dabei hatte ihn Klaus Augenthaler nur leicht getroffen. Der Abwehrchef absolvierte nicht nur jedes Spiel bis zum Titel, er hat auch alle Anekdoten rundum eine legendäre deutsche Mannschaft aufgesaugt. So wie sich das für Nachholspiel gehört, hat er auch über 30 Jahre später alles noch sehr präsent. Freut euch auf Teil 3 – dieses Bild werdet ihr nie wieder vergessen.
In Teil 1 geht es um die holprige deutsche WM-Qualifikation, wir schwärmen von der Lichtgestalt Franz Beckenbauer und vom Anführer Lothar Matthäus. Welchen Lerneffekt hatte die WM 1986 in Mexiko, hatte Matthäus ein Boot am Comer See und gegen Jugoslawien tatsächlich das beste Spiel seiner Karriere? Aber noch viel wichtiger: haben „Auge“ und die späteren WM-Helden jeden Abend brav um 22 Uhr im Bett gelegen?
Am 8. Juli 1990 feierte das frisch wiedervereinte Deutschland wieder gemeinsam. Viele Wege führen nach Rom, insbesondere für den dritten deutschen WM-Titel.

Folge 155: WM 1978 (II) – „I wer‘ narrisch!“ (Gast: Hans Krankl)

Österreich war nie Welt- oder Europameister, am 21. Juni 1978 aber zumindest zwischen Klagenfurt und Linz die größte Fußballnation der Welt. Das Land hatte Geschichte geschrieben und Deutschland bei einer WM nach Hause geschickt. Doppeltorschütze Hans Krankl ließ nicht nur Kommentator Edi Finger vom Glauben abfallen, sondern vor allem den Titelverteidiger. Krankl und die anderen ÖFB-Helden hatten vor dem Duell die Qualifikation für die K.o.-Phase bereits verpasst und trotzdem hochmotiviert mit 3:2 gegen die DFB-Auswahl um Kapitän Berti Vogts und Stürmerstar Karl-Heinz Rummenigge gewonnen. Der Nachbar war nun auch raus. Schadenfreude ist eben die schönste Freude. Nachholspiel wird narrisch! Nach über 40 Jahren erzählt Hans Krankl vom Wunder von Córdoba, als wäre es gestern gewesen. Für Österreich ein Gigant, für den FC Barcelona ein Garant. Dort sprechen sie heute noch von seinen Toren. Vergleiche mit Messi verbittet er sich, Parallelen zu Lewandowski gefallen ihm dagegen ganz gut.
In Teil 2 unserer Aufbereitung der WM 1978 in Argentinien schauen wir auf das bekannteste sportliche Kapitel eines durch Propaganda und Manipulation geprägten Turniers. Denn dass der Gastgeber am Ende in Buenos Aires nicht unweit von politischen Folterbunkern triumphierte, ist auch auf den brutalen Einfluss der Militärdiktatur unter General Jorge Rafael Videla zurückzuführen. Allein dem 6:0 im Halbfinale gegen Peru sollen ein Gefangenenaustausch und ein Besuch von US-Außenminister Henry Kissinger in der Kabine der Peruaner vorausgegangen sein. Wie betont doch die FIFA so gerne: Fußball und Politik gehören nicht zusammen.

Folge 154: Folge 154: WM 1978 (I) – Fußball im Folterkeller

Es wurde nicht gefoltert, wenn die Wärter die Spiele der argentinischen Nationalmannschaft geschaut haben. Ansonsten, so sagen Überlebende, waren die Schreie der Oppositionellen bis ins wenige hundert Meter entfernte WM-Stadion von Buenos Aires zu hören. Zehntausende, darunter vor allem junge Studierende, wurden in den Gefangenenlagern des Regimes hingerichtet und in den Rio de la Plata geworfen. Die Militärdiktatur unter General Jorge Rafael Videla verbreitete Angst und Schrecken im gesamten Land. Bis heute gelten viele Angehörige als vermisst. Nur während der WM sollte der Welt ein Sommermärchen vorgespielt werden. Die FIFA und der Fußball waren damals schon sehr gut darin, politisch-gesellschaftliche Zustände zu ignorieren und die eigenen Werte mit Füßen zu treten.
Auch der deutsche Titelverteidiger fand an den grausamen Zuständen nichts Verwerfliches und lud darüber hinaus auch den Nazi Hans-Ulrich Rudel ins Teamhotel ein. Die FIFA hat aus den Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt und WM-Endrunden an Russland und Katar vergeben. Nachholspiel spricht zum Auftakt der umstrittenen WM 2022 über das (bis dato) wohl schlimmste Kapitel des Weltverbands. Die WM 1978 in Argentinien ist eine Schande für den Fußball und am Ende trotzdem ein Turnier mit sportlichen Ereignissen. Nachholspiel thematisiert in der ersten Folge die politischen Hintergründe und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen. Nächste Woche sprechen wir über den womöglich gekauften Triumph der Argentinier und mit Österreichs Stürmer-Legende Hans Krankl über das deutsche Ausscheiden.

Folge 153: Wettbude unter Wasser – Kraken-Orakel Paul

Bei der WM 2010 wurde gefühlt kein Spiel angepfiffen, bevor die Tinte unter dem Tipp von Krake Paul trocken war. Nicht weniger als achtmal orakelte der Tintenfisch aus dem Sea Life Center in Oberhausen die richtige Mannschaft. Darunter fünf Siege für Deutschland. Auch Spanien sagten die Tiefsee-Tiki-Tika-Tentakel als Weltmeister voraus. Dafür wurde ihm in einem spanischen Dorf irgendwo zwischen Villarriba und Villabajo sogar ein Denkmal gebaut.
Fußball-Orakel sind einmalige phantastische Tierwesen mit hellseherischen Kräften. Ausreißerkuh Yvonne, Eber Funtik, die taube Katze Achilles, Helm-Peter, Elefant Nelly und natürlich Vielfraß-Elch Konstantin aus dem Wildpark Potzberg in der Nordpfalz. Paul soll es sogar zweimal gegeben haben. Darauf habt ihr wohl nicht gewettet?! Nachholspiel macht den Zoo auf mit Orang-Utans in Trikots und SSN-Reporter Dirk große Schlarmann als Notar im Erdmännchen-Gehege. Und dann hätten wir noch den „humpelnden Hamster Hans“ und den „obdachlosen Otter Oliver“ mit einem erstaunlichem Orakel. Und Paul? Der schaut sicherlich irgendwo auf dem Meeresboden den ganzen Tag Fußball, sitzt in der Krossen Krabbe am Tresen und futtert zwischen Spongebob und Mr. Krabs genüsslich seine geliebten Miesmuscheln. Unser Tipp: heute hört er ganz sicher Podcast.

Folge 152: DFB hebt Verbot des Frauenfußballs auf (Gast: Petra Tabarelli)

„Decken, decken, nicht Tisch decken“. Sportstudio-Moderator Wim Thoelke verbalisierte 1970 in einer Live-Sendung unverblümt und unsachlich die männliche Denkweise über Frauenfußball. Noch im selben Jahr sollte der Deutsche Fußballbund sein Verbot von 1955 allerdings wieder kippen. Es war keine Entscheidung aus Überzeugung, der Verband hatte schlichtweg Sorge um seine Vormachtstellung. Zwar sorgte Bärbel Wohlleben als erste Torschützin des Monats für mehr gesellschaftliche Akzeptanz, Chauvinismus und Sexismus prägten aber weiter die Berichterstattung. Der Kampf gegen Widerstände und Klischees wird bis heute im Profi- und Amateurbereich geführt. Auch wenn die deutsche Nationalmannschaft zu den erfolgreichsten der Welt gehört, wird die Diskussion um Equal Pay und Equal Play kontrovers geführt. Nachholspiel will nicht Frauen- und den Männerfußball miteinander vergleichen. Das wird beidem nicht gerecht. Vielmehr sprechen wir mit Archivarin und Fußballhistorikerin Petra Tabarelli über scheinheilige DFB-Begründungen, ihre berühmte Nachbarin und über den Mut und die Entschlossenheit von jungen Mädchen und Frauen, die einfach nur Fußball spielen wollten. Außerdem klären wir die Frage, warum Frauenfußball überhaupt verboten war.

Folge 151: Nachholspiel auf Tour – Behind the Scenes

Plötzlich war da Applaus und Lampenfieber. Auf einmal waren da einfache Lacher und direkte Reaktionen aus dem Publikum. Doch was ist von unserem kurzen Podcast-Rockstar-Life hängen geblieben? Heile Hotelzimmer, der abartige Krabbeldiewandnuff-Schnaps in Bremen und dann vor allem ihr! Seit 150 Folgen haltet ihr uns schon die Treue. Es wurde höchste Zeit, euch persönlich kennenzulernen und eure Geschichte zu hören. Ihr habt mit uns auf dem Ohr 20 Kilo abgenommen, euren Urlaub in Holland extra für unseren Auftritt unterbrochen oder eine lange Anreise mit Urlaubsantrag und Hotelzimmer auf euch genommen. Wir sind überwältigt!
Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, München – die Nachholspiel-Zeitmaschine legte über 2000 Kilometer zurück und wurde zwischenzeitlich nur durch das Navi (spielte vom ersten Tag an gegen uns) oder das automatische Bremssystem ausgebremst („Olli, die Ampel steht auf rot!“). Lucas Vogelsang, Philipp Bargfrede, Oke Göttlich/Ole Zeisler, die Rudelbildung und schließlich Uli Köhler. Mit diesen Gefährten hätten wir eine ganze Schubkarre Ringe nach Mordor gebracht. Und dann waren da noch Familie, Freunde und ihr als Schwimmflügel bei unserem Sprung ins kalte Wasser. Am Ende war es gar nicht soooo kalt, vielmehr herzerwärmend. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

Folge 150: Derby, Digga! (Gäste: Oke Göttlich und Ole Zeisler)

Nachholspiel ist auf Deutschland-Tour und meldet sich aus dem Haus73 in Hamburg. Das ewige Stadtduell hat so viel Geschichte hervorgebracht und spaltet die Stadt bis heute. St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich und „Doppelsechs“-Herausgeber Ole Zeisler fläzen sich zu uns auf die Couch, kommen ins Schnacken und Schwärmen. Große Derby-Feelings bei Bier und Nüsschen. Ein besonderer Abend mit besonderen Anekdoten. Uwe Seeler mit Totenkopf-Kappe, Gerald Asamoah bei Hesburger und Oke mit Omas gegen Rechts auf großer Hafenrundfahrt.

Folge 149: Es ist nicht alles „Golden Goal“, was glänzt

Wenn ein K.o.-Spiel nach 90 Minuten nicht entschieden ist, geht es in die Verlängerung. Dann kannst du zum Kühlschrank schleichen, deine Fingernägel abkauen oder parallel bei Twitter über den Spannungsgehalt der Partie lästern. Erst nach 120 Minuten ist Schluss, wenn immer noch kein Sieger feststeht und du kaum noch Fingernägel hast, verliert England im Elfmeterschießen. Das war den heiligen Regelhütern des Fußballs irgendwann zu langweilig. Also kamen die weisen Herren auf die Idee, das Golden Goal einzuführen und plötzlich war Deutschland 1996 schon in der 95. Minute Europameister. Hold my Bierhoff! Eine Erfolgsgeschichte. Für ihn, für die neue Regelung eher weniger. Aus Angst vor der schnellen Entscheidung stellten sich in der Folge beide Mannschaften einfach hinten rein. Unterhaltungswert? Geht so! Die UEFA versuchte es zwischenzeitlich noch mit dem Silver Goal, bis 2004 auch das wieder abgeschafft wurde. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Diese Folge ist eine Grundsatzdiskussion. Wie viel Spannung kann der Fan ertragen? Warum nicht gleich ins Elfmeterschießen? Und denkt auch mal jemand an die liebe Kommerzialisierung des Fußballs? Nachholspiel stellt sich nicht hinten rein, sondern diskutiert mit offenem Visier und das in 52 Minuten ohne Verlängerung. Das ergibt vielleicht keinen Sinn, das Golden Goal am Ende ja aber irgendwie auch nicht, oder doch?!